Kommentare (0)

Susanne und Falk Münchbach vom Regiogeld "Kann was" zu Besuch in Wörgl

Fürs Archiv des Unterguggenberger Institutes brachten Falk und Susanne Münchbach Infomaterial des Vereins Regionalgeld Schleswig-Holstein e.V. mit. Die Kann-was-Scheine - hier von Falk und Susanne vor einer Vergrößerung des Wörgler Arbeitswertscheines präsentiert - erlebten seit der Erstausgabe 2003 einige Veränderungen. Das Schwundprinzip der monatlichen Abwertung wurde ersetzt durch eine jährliche Abwertung. Seit 2007 gibt´s neue Regiogeldscheine mit markanten Wahrzeichen aus der Region und zusätzlichen Sicherheitsmerkmalen  -  Bild rechts, zum Vergrößern  hier anklicken.

Der "Kann-was" stärkt die Region und die biologische Landwirtschaft

"kein unglueck ewigk" - dieser gute Wunsch prägt als Aufschrift den Kann-was-Schein seit der Erstausgabe 2003 und begleitet die Regionalwährung, die als Ein-Mann-Initiative vom Biobauern Frank Schepke ins Leben gerufen und kräftig angeschoben wurde. Schepke bewirtschaftet selbst einen Demeterhof mit biologisch-dynamischer Landwirtschaft und gewann von Beginn an einen Biogroßhandel als Partner. "Dieser ist heute noch eine wesentliche Stütze", berichtet Falk Münchbach, Mitglied im Vorstand des Regionalgeld-Vereins für Schleswig Holstein bei seinem Besuch im Unterguggenberger Insitut.

Der Kann-was wurde als Regionalgeld für ganz Schleswig-Holstein konzipiert, wird aber nicht überall mit derselben Intensität genutzt. "Anfangs waren 4.000 bis 5.000 Kann-was in Umlauf, derzeit sind es ungefähr 12.000", so Münchbach. Die Deckung fürs eins zu eins Euro-gedeckte Regiogeld liegt einer Sparkasse. Derzeit noch eine unzufriedenstellende Situation für den Verein: "Es bringt keine Zinsen und wir zahlen Gebühren. Das soll sich in Kürze ändern." Als Vorbild gilt der Hagener Volmetaler: "Die Hagener legen die Deckung auf das Überziehungskonto der Stadtkasse und ersparen der Stadt damit 18 % Überziehungszinsen." Jetzt prüft man, ob das für Kiel auch eine attraktive Lösung wäre.

Schwundgebühr ade!

War der Kann-was anfangs noch mit monatlicher Abwertung ausgestattet, so verzichten die Regiogeld-Macher seit zwei Jahren auf das Gesellsche Schwundprinzip. Der Ausgleich der Abwertung erfolgte früher beim Kann-was nicht durch Markenkleben, sondern durch einen höheren Ausgabekurs zu Jahresbeginn. Die "Abwertungstreppe" gibt´s nicht mehr auf den seit 2007 gültigen neuen Gutscheinen, die nun durch das Aufkleben von kopieruntauglichen, jährlich zu erneuernden Klebemarken mindestens sechs Jahre in Umlauf bleiben.

Eine Gebühr wird nur am Jahresende fällig, wenn die Gutscheine gegen neue, wieder ein Jahr gültige Scheine umgetauscht werden.

 

Rücktauschgebühr finanziert Kosten und unterstützt gemeinnützige Vereine

Um den Rücktausch von Kann-was in Euros möglichst gering zu halten, greifen auch die Schleswig-Holsteiner aufs Einheben einer Rücktauschgebühr zurück: Konsumenten zahlen 10 %, beteiligte Unternehmen 5 %. Aus dieser Rücktauschgebühr werden die laufenden Kosten gedeckt sowie mit 3 % regionale, gemeinnützige Vereine unterstützt. Seit neuestem kann der Umtauscher die 3 % auch selbst behalten. Nach roten Zahlen in den ersten Jahren freute sich der Regionalwährungsverein jetzt darüber, 2007 erstmals kostendeckend zu bilanzieren.

Kreisläufe noch verbessern und bargeldlos mit Kann-was zahlen

Der Kann-was wirkt wie Regiogeld im Allgemeinen mehrfach: Er trägt zur Bewusstseinsbildung zum Thema Regionalwirtschaft und Geld, zum Erhalt von Kaufkraft und zur Wertschöpfung vor Ort bei. Derzeit beteiligen sich über 100 Geschäfte, die aktuelle Liste kann auf www.kannwas.org angesehen werden.  Manche Unternehmen akzeptieren die Gutscheinwährung in unbeschränktem Umfang, andere nehmen einen Teil des Kaufpreises in Regiogeld an.

Immer mehr Unternehmer entdecken die Win-Win-Situation, die ihnen der Kann-was im Hinblick auf Kundenbindung und Umsatz bringt, wie Susanne Münchbach, Vorstandsmitglied im Verein Kreisläufe e.V. anhand eines Dorfladens schildert: "Ein Dorfladen bietet unter anderem auch Bücher an, wobei er den Service des zentralen Buchgroßhändlers nützt. Wenn er monatlich eine bestimmte Umsatzhöhe erreicht, stellt der Großhändler den Kunden die im Laden bestellten Bücher kostenlos zu den Kunden nach Hause zu. Der Kunde bezahlt mit Kann was, der Ladenbesitzer hat den Vorteil, dass er damit den nötigen Umsatz erreicht, um allen diesen Service anbieten zu können - und das funktioniert."

Dem Wunsch der Unternehmer nach bargeldloser Kann-was-Abrechnung wird in Kürze ebenfalls entsprochen. "Wir werden das allerdings nicht so aufwändig wie der Chiemgauer machen, sondern auf einfacherer Basis", erklärt Falk Münchbach. Geschäftsleute können bei ihrer Hausbank ein eigens gekennzeichnetes Kann-was-Konto in Euro führen. Zur Einhaltung der vereinbarten Spielregeln hinsichtlich Bezahlung der Rücktauschgebühr bei Überweisung auf Euro-Konten verpflichten sich die Teilnehmer auf freiwilliger Basis, wobei der Regionalwährungsverein stichprobenweise das auch überprüfen wird.

Kann-was als Geschenk-Gutschein

Eine weitere Idee, die Regionalwährung vermehrt in Umlauf zu bringen, ist die Ausgabe als Geschenkgutschein. Frank Schepke zählt auch hier zu den Vorreitern: Er veranstaltet auf seinem Natur-Erlebnis-Hof auch Kindergeburtstagsfeiern und Hoffeste - gute Anlässe für Geschenkgutscheine in Kann-was!

Der Dorfladen hat die Gutscheine als Kindergeburtstagsgeschenk publik gemacht, die Kinder kaufen ihre Sachen sowieso in dem Laden und kennen nun alle das Regionalgeld, mit dem sie problemlos umgehen.

Abbildung zum Vergrößern anklicken 

 


Neu: Förderverein Kreisläufe e.V. für den Kann-was

Aufgrund der wirtschaftlichen Ausrichtung gilt für den Regionalwährungsverein Schleswig Holstein e.V. nicht der Gemeinnützigkeits-Paragraph, was die Sponsoren-Suche erschwert. Nur Spenden an gemeinnützige Vereine sind steuerbegünstigt möglich.

Um die Bildungsarbeit anzukurbeln und dabei die gesetzlich gegebenen Möglichkeiten finanzieller Unterstützung auszunützen, wurde vor rund einem Monat nun mit "Kreisläufe e.V." ein gemeinnütziger Verein  unter starker Beteiligung der Jugend gegründet. "Dieser Verein hat vor allem zwei Ziele: Bildungsarbeit leisten und den Blickwinkel auf das gesamte Thema Komplementärwährung und hin zu Zeitgeld zu erweitern sowie Fördermitglieder anwerben", erklärt Susanne Münchbach, im Vorstand des neuen Vereins für die Kassaführung zuständig. Die Vorstandsarbeit teilt sie sich mit Tochter Anne-Julia Münchbach und deren Schulkollegin Nora Pallin.

Jugend im Blickpunkt

Die beiden arbeiten mit weiteren drei Mädchen gemeinsam im Rahmen eines Schulprojektes an der Einführung eines Bildungsgutscheines nach dem Vorbild der brasilienischen Idee des "Saber" von Bernard Lietaer an ihrer Schule. Klar, dass Susanne und Falk Münchbach dieses Vorhaben gern unterstützen. Falk organisierte bereits eine Vortragsreise für Mirjam Fochler vom Chiemgauer Regiogeld als Jugendbotschafterin durch ganz Deutschland und war vom Echo sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen begeistert.

Die Beschäftigung mit Regionalgeld und den wirtschaftlichen Hintergründen führt zu weiteren Themen wie nachhaltiges Wirtschaften, ökologisches Bauen, Bio-Landbau und Nutzung erneuerbarer Energien. Falk und Susanne leben in einer Ökowohnanlage, die auf seine Initiative hin entstanden ist, nutzen Solarenergie  zur Warmwasseraufbereitung und sind neuen Technologien gegenüber aufgeschlossen. So wird der Betrieb eines eigenen Klein-Kraftwerkes zur Stromerzeugung in Erwägung gezogen: "Der Physiker Bernhard Schaeffer entwickelt derzeit mit seiner LESA-Maschinen GmbH eine Kraftwerkstechnologie, die mithilfe von Holz als Brennstoff und einer Wasser- und Benzoldampfmaschine die doppelt so hohe Energieausbeute als herkömmliche Wasserdampfantriebe erzielt. Mit dem jetzigen Einspeistarif für Strom aus erneuerbarer Energie ist das wirtschaftlich, sozial und ökologisch absolut interessant, bei der Stromversorgung auf Selbstversorgung umzusteigen und noch dazu Strom ins Netz zu liefern." Infos dazu gibt´s auf www.lesa-maschinen.de

Alle Informationen zum Kann-was erhalten Sie unter www.kannwas.org
 

Beim Wörgl-Aufenthalt zeigten sich Susanne und Falk Münchbach vom LA21-Jugendprojekt I-MOTION begeistert. Ein Besuch im Heimatmuseum (Bild links) gehörte ebenso dazu wie beim Denkmal für Wörgls Freigeld-Bürgermeister Michael Unterguggenberger beim Stadtamt.

 

Nicht angemeldet.