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Kongress Solidarische Ökonomie von 20. bis 22. Februar 2009 in Wien

Eine Vorreiterrolle in der Entwicklung solidarischer Wirtschaftsformen hat Brasilien inne. Statt nach den Prinzipien Wettbewerb und Profitmaximierung für einzelne baut die Solidarische Ökonomie auf Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Aufteilen des Erwirtschafteten unter allen auf. Welche Bedeutung diese neu entstanden Kooperativen, Initiativen und Unternehmen dort einnehmen, spiegelt sich in der Verwaltung des Staates wider: Brasilien unterhält im Ministerium für Arbeit ein eigenes Staatssekretariat für Solidarische Ökonomie, dessen Mitarbeiter Mauricio Sardá Faria (Bild Mitte rechts) ausführlich über das brasilianische "Wirtschaftswunder von unten" berichtete. Dass eine anders gestaltete Wirtschaft auch Zahlungsmittel mit anderen Regeln benötigt, zeigen die rund 30 Volksbanken, die unter dem Dach der brasilianischen Nationalbank Regionalgelder ausgeben.

Ausführliche Informationen über Solidarische Ökonomie beinhaltet das Februar-Heft des Magazins für internationale  Politik, Kultur und Entwicklung Südwind - Info hier.   Hier ein Auszug aus den Themen:

Thema:

  SOLIDARISCHE ÖKONOMIE Ein Bündnis von Gesellschaft und Natur
Nicht nur alternative Wirtschaftsformen bilden das Wesen der Solidarischen Ökonomie. Dieser Begriff stellt vielmehr einen integralen Gegenentwurf zur Vermarktung des Planeten Erde und seiner Güter, zu Profitdenken und Wettbewerbsmentalität dar. Solidarische Ökonomie ist vielfältig, aber immer an gemeinsamen Grundwerten ausgerichtet.

  Soziale Kompetenz ist gefragt

  Das Prinzip Mondragón
Mit selbstverwalteten Genossenschaften auf den Weltmarkt.

  Eine „abgehängte Region“
Ein erfolgreicher Perspektivwandel führt zu nachhaltiger Entwicklung im Waldviertel.

  Solidarische Ökonomie - Literaturhinweise

  Die Effizienz der Solidarität
Die Stärke der Solidarischen Ökonomie liegt nicht in einer Dynamik des Wettbewerbs, sondern in Faktoren wie Gemeinschaft, Zusammenarbeit und Engagement – und in der Identifikation mit einem Geschichtsentwurf der Befreiung.

  Das Modell Brasilien
Das südamerikanische Riesenland ist nicht nur die Heimat der Befreiungspädagogik (Paulo Freire), des Theaters der Unterdrückten (Augusto Boal) und der Befreiungstheologie (Leonardo Boff u.a.) – es ist auch der Staat, wo die Solidarische Ökonomie mehr als sonst wo auf der Welt offizielle Anerkennung und Unterstützung findet.

  „Die Solidarische Ökonomie ist eine konkrete Utopie“
Ein Gespräch mit Claudio Nascimento, dem Koordinator im brasilianischen Staatssekretariat für Solidarische Ökonomie (SENAES) und namhaften Vordenker für neue Formen von Politik und Wirtschaft. Das Interview führte für das Südwind-Magazin Leo Gabriel.

 


Orientierung in der Informationsflut des Kongresses boten Aushänge in der Aula in der Universität für Bodenkultur ebenso wie Plenum-Runden. Die Programmgestaltung blieb auch während des Kongresses offen, und so kamen noch weitere Angebote zu den 120 angemeldeten Programmpunkten dazu.Für zusätzliche Informationen sorgten zudem zahlreiche Büchertische - z.B. hier rechts im Bild Marianne Deimel von Permakultur Austria mit ihrem Büchertisch - und Info-Stände.

Vordenker für eine solidarische Wirtschaft mit großem Engagement in Österreich sind Markus und Franz Schallhas sowie Markus Distelberger (Bild links v.l.). Markus Schallhas zählt zu den Initiatoren des Wiener Kongresses und wirkte im Organisationsteam tatkräftig mit. Franz Schallhas engagiert sich wie seine Frau Marianne (Bild Mitte links) seit Jahrzehnten zum Thema Geld. Sie zeigten am Kongress die Ausstellung "Segen und Fluch des Geldes". "Unser Geldsystem ist nicht menschengerecht", ist Franz Schallhas überzeugt und will eine Akademie gründen mit dem Zweck, eine Geldreform zu erarbeiten. Im Internet ist bereits ein blog dazu als Diskussionsforum eingerichtet unter http://die-finanzkrise-und-ich.blog.de

Beim Kongress informierten auch die Mitarbeiter von KEEEP über ihr Angebot, Fundraising und Sponsoring für private und öffentliche Organisationen durchzuführen (Bild rechts).

Bezahlen mit Gutscheingeld wird auch in der Schweiz praktiziert. Prof. Dr. Isidor Wallimann, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz, eine Hochschule für soziale Arbeit, brachte zum Kongress die BonNetzBons der Genossenschaft Soziale Netz Ökonomie mit, die seit 2005 in Umlauf sind. Die Scheine können gegen Schweizer Franken erworben und mit 5 % Abschlag in Franken rückgetauscht werden. Auf der Rückseite sind Akzeptanzstellen aufgelistet. Weitere Infos dazu auf www.viavia.ch/netzbon

Wie sich regional gültige Tauschbons in Krisenzeiten bewähren, zeigte sich in Argentinien - im Bild rechts und unten links das dort verwendete Tauschgeld. Über großes Interesse konnte sich der Schweizer bei seinem Workshop "Anarchismus, Kapitalismuskritik, Wirtschaftsdemokratie, Alternativwährung und Soziale Ökonomie" freuen (Bild unten Mitte und rechts).

  

Die Solidarische Ökonomie ist eine Bewegung, die von unten wächst. Zu den "Vorarbeitern" in Österreich zählen der Journalist Leo Gabriel (Bild links mit Mikro), der an der Spitze der Organisation zur Abhaltung der Österreichischen Sozialforen, sowie Wolfgang Pekny (Bild Mitte rechts), Obmann der Initiative Zivilgesellschaft. Sowohl das ASF als auch die Initiative Zivilgesellschaft sind offene, partizipative Projekte. Beim Kongress Solidarische Ökonomie rief Leo Gabriel dazu auf, sich am 28. März 2009 am internationalen Aktionstag "Wir zahlen nicht für eure Krise" zu beteiligen. Die Demonstration in Wien beginnt um 13 Uhr beim Westbahnhof, das Abschlussspektakel beginnt um 16 Uhr beim Parlament. "Bringt eure Sparschweine, Spardosen, Trommeln, Buntes, Lautes, Freudiges - Wir protestieren und sind trotzdem nett", heißt es im Demo-Aufruf. 

Mit Infostand und Workshop stellte  das Schweizer Software-Team von HamLETS aus Genf die Möglichkeiten der Tauschringverwaltung und -vernetzung ihrer englischsprachigen Software vor. Infos dazu auf www.tauschringtoolkit.org. Für den deutschsprachigen Raum wurde von anderen Open-Source-Programmieren die Cyclos-Software für diesen Zweck bereits aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

Die Prinzipien solidarischer Lebensweise finden sich in der Philosophie der Permakultur im Zusammenleben von Mensch und Natur. So freuten sich die Vertreter von Permakultur Austria - links im Bild Obmann Gerhard Bauer, Marianne Deimel (rechts) und Rosemarie Schreiner-Lein über großes Publikumsinteresse. Rund 120 Leute besuchten die beiden Permakultur-Workshops von Bernhard Gruber (Bild Mitte) von Permakultur Norikum, hier beim Vernetzungstreffen Neues Geld, Neue Arbeit und Permakultur.

Bernard Gruber leitet Permakultur-Design-Workshops und war heuer schon als Permakultur-Berater im Sudan im Einsatz. Weitere Infos dazu sowie über seinen Vortrag darüber am 25. Februar 2009 auf seiner Website www.permakultur.biz

 

Weiterführende Projekte, Veranstaltungen und Vernetzungsmöglichkeiten wurden abschließend am Sonntag im Plenum vorgestellt. Tobias Plettenbacher (Bild Mitte) vom oberösterreischen Zeittausch TIMESOZIAL präsentierte Arbeitsbereiche der Initiative Neues Geld, u.a. die Erstellung von weiterem Informationsmaterial zur Anwendung im Jugendbereich und die Vorbereitung der geplanten Konferenz neuesGELD im Herbst 2009 und rief auf, die Petition Neues Geld zu unterzeichnen. Weitere Infos dazu auf www.neuesgeld.com. Wie sehr immer mehr Menschen nach Alternativen zum bestehenden Geldsystem suchen, zeigte sich auch beim Publikums-Run auf die Workshops von Tobias Plettenbacher bei seinen Vorträgen  über Neues Geld sowie Ursachen und Auswege aus der Wirtschaftskrise.


Spontanen Applaus erntete der Buchautor Erasmus Schöfer (mit Mikro im Bild links) für seinen Vorschlag beim Abschlussplenum, dass die Menschen europaweit ihre Fernseher zerstören und stattdessen ihre Informationen aus dem Internet beziehen sollten. In seinen Büchern erzählt er in Romanform von Menschen, die in vielfältiger Weise Erfahrungen mit solidarischer Wirtschaft und sozialen Auseinandersetzungen gesammelt haben. Der Autor war als politisch engagierter Schriftsteller und Chronist an vielen der beschriebenen Ereignisse beteiligt. Eine Lesung aus seinem Buch "Die Kinder des Sisyfos" gehörte zum Abendprogramm des Kongresses.

Zum kulturellen Rahmenprogramm trug auch ein "ausgewanderter" Wörgler bei: Stephan Burgstaller (Bild oben rechts), der seit 1993 in Wien lebt, zeigte den Bilm "Bye Bye Sofie - Hommage an ein Kulturgebäude" betreffend die Sophiensäle in Wien.

  

Zu den vielen neuen Unterzeichnern der Petition Neues Geld zählte Dr. Günther Hoppenberger. Er brachte bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige wegen Verstoßes gegen §168a(2) StGB ein und begründet diese mit der Annahme, dass der Euro ein Pyramidenspiel ist - mehr dazu hier  Die Petition Neues Geld richtet sich an alle politischen Entscheidungsträger in Österreich und fordert eine Unterstützung von Komplementärwährungen sowie die Einbindung von Komplementärwährungs-ExpertInnen sowie WissenschafterInnen anderer Geldtheorien bei der Neuordnung des Weltfinanzsystems. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis zum Mai 2009. Petition und Listen stehen zum kostenlosen Download auf www.neuesgeld.com zur Verfügung. Rücksendung der ausgefüllten Unterschriftenlisten bitte ans Unterguggenberger Institut Wörgl, Unterguggenberger Straße 3, 6300 Wörgl.

Das Unterguggenberger Institut lenkte mit der Plakatausstellung neuesGELD.com das Interesse der KongressteilnehmerInnen auf das Thema Geldsystem und Komplementärwährungen. Beim Kongress waren auch drei Mitwirkende aus dem Team, das das multimediale Geldausstellungsprojekt erarbeitete, anwesend: Georg Pleger, Mitarbeiter im Zukunftszentrum Tirol für Neues Geld, Veronika Spielbichler, Obfrau des Unterguggenberger Institutes und Komplementärwährungs-Design-Experte Rudo Grandits (rechts), dessen Modell für eine Energie gedeckte Regionalwährung (Infos zum Projekt auf www.neuesgeld.com) derzeit im Mostviertel in Niederösterreich als Projekt zur Umsetzung eingereicht wurde.

Dieser Bericht gibt nur einen kleinen Einblick in die vielfältigen Angebote des Kongresses. Jede Menge weitere Informationen sowie Dokumentationen zum Kongress Solidarische Ökonomie finden sich auf der Website www.solidarische-oekonomie.at

Weitere Bilder zum Kongress gibt´s hier in der Galerie

 

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